Fes
Leconte de Floris in Ägyptischer Armeeuniform
Portrait, Gemälde von 1840
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Public Domain
Autor: Léon Benouville
Fes, der, auch Fez (von arabisch fâs oder faa'sur raa's, "Hinterkopf") oder Tarbusch (von arabisch tarbūš, eigentlich ”Schweißkappe“, türkisch ter ”Schweiß“ und persisch pūš "Bedeckung, Bekleidung" zu pūšīdan ”bedecken“)
Nach der Stadt Fès in Marokko benannter Filzhut in Zylinder-, Pyramiden- oder auch Kegelstumpfform mit flachem Deckel und Quaste. Die Farbe der Quaste richtete sich früher nach dem Rang des Trägers und konnte bei edleren Stücken zum Beispiel silbern oder golden sein. Typisch für den roten Fes ist eine schwarze oder dunkelblaue Quaste. Daneben gab es den Fes in verschiedenen Farbtönen zwischen Purpur und Scharlachrot, für Frauen und Mädchen auch in Blau oder mit Gold- oder Perlenstickerei in einer kleineren Variante ohne Quaste.
Herstellung
Der Wollfilz wird zunächst gefärbt, dann geschoren. Anschließend presst man mit schweren gusseisernen Zylindern die Filzkappen über einer Gasflamme oder Wasserdampf in die richtige Form. Zum Trocknen wird der Fes über eine Stroheinlage aus Dattelpalme gezogen, die als Versteifung im Hut verbleibt. Heute findet man auch Fese aus Massenproduktion, die nicht aus Wollfilz bestehen.
Lange Zeit kontrollierte die Stadt Fès die Verbreitung der Kermes-Schildlaus, aus der man den für die charakteristische Rotfärbung benötigten Farbstoff Karmin (auch als Cochenille bekannt) gewann. Als schließlich im 19. Jh. die synthetischen Anilin-Farbstoffe entdeckt wurden, führte dies zum Verlust des Monopols der marokkanischen Stadt. So wurde der Filz fortan auch in Frankreich, Deutschland und Österreich produziert, und verhalf Strakonice (Südböhmen) und Guben (Niederlausitz) Anfang des 20. Jahrhunderts zu einer zentralen Rolle in der Fes-Herstellung.
Geschichte
Der Legende nach erfand ein marokkanischer Handwerker aus Fès die Kopfbedeckung um 930 n. Chr. Träger waren zunächst Schüler einer bestimmten Schule, die den Fes zu einem Symbol von Intelligenz machten und zu seiner Verbreitung in Nordafrika beitrugen. Nach der Eroberung Konstantinopels durch die Türken 1453 kam der Fes als Kopfbedeckung für männliche und weibliche Diener nach Venedig und gewann dort in der Renaissance an modischer Bedeutung.
Im 19. Jh. war der Fes schließlich die am weitesten verbreitete Kopfbedeckung der Männer im Orient, da er den Schweiß gut aufsog und gegen Staub schützte. 1832 wurde er für türkische Staatsbeamte und Soldaten vom Sultan Mahmut II anstelle des bis dahin üblichen Turbans eingeführt. Polizisten trugen beispielsweise einen schwarzen Fes, an dem eine rote Quaste baumelte (siehe 2.). Auch in Ägypten wurde er dadurch üblich, und selbst in Teilen Europas wurde der Fes zu Zeiten des Biedermeier von den Herren als Zeichen der Gemütlichkeit im Haus getragen. Während des italienischen Faschismus gehörte er zur Uniform verschiedener Milizen, im deutschen Kaiserreich trugen ihn die afrikanischen Askaris.
Seit seiner Abschaffung in der Türkei (1926) und in Ägypten (1953) wird er kaum noch getragen. Heute findet man ihn nur noch auf den Köpfen von Scheichs, Schulkindern und religiösen Würdenträgern, in Albanien sowie in Griechenland als Teil der Tracht in beutelähnlicher Form mit großer Quaste. Die ursprünglich doppelt so hohe Form mit längeren Quasten ist heute noch in Tunesien und Marokko in Gebrauch.
Quellen
- http://de.wikipedia.org/wiki/Tarbusch
- http://www.kemet.de/Ausgaben/1-2001/Fese.htm
- http://www.retrobibliothek.de/retrobib/seite.html?id=105610#Fes
- http://lexikon.meyers.de/wissen/Fes+(Sachartikel)+historische+Zweigwissenschaften
- http://wissen.spiegel.de/wissen/dokument/dokument.html?id=40617787&top=SPIEGEL
- http://www.almahdishrine.org/FezOrTarba.html
- http://www.learn-persian.com/english/List_of_English_words_of_Persian_origin.php
- http://wissen.de/wde/deutsches_woerterbuch/Tarbusch
- Ingrid Loschek: Reclams Mode- und Kostümlexikon. 5. Auflage, Philipp Reclam jun., Stuttgart 2005, ISBN 3-15-010577-3, S. 187