Lunghi

Kurzinfo

Namen

chaaram, htamain, kaili, kavi munde, longyi, lungee, Lungi, lungyi, munda, mundu, panche, paso, saaram

Regionen

Bangladesh Indien Sri Lanka

Sonstiges

Frauen- und Männerkleidung

Wickelform

Verkäufer in Kameez und Lunghi, Dhaka

Lunghi, der (von hindi lungī entlehnt aus persisch)

In ganz Südasien in ähnlicher Form verbreitetes Wickelgewand ähnlich dem Dhoti, jedoch kürzer, farbenfroher und einfacher zu tragen als dieser. Das Lendentuch besteht aus einem rechteckigen Stoffstück, das zu einer Röhre zusammengenäht ist und mit Knoten an der Taille gehalten wird. Durch Hochstecken der unteren Enden zur Taille ähnelt der Lunghi einem kniefreien Rock, womit er sich jeder Wetterlage flexibel anpassen lässt. Besonders in heißen und feuchten Regionen zieht man ihn der Hose vor.

Die für einen normalgroßen Lunghi benötigte Stoffbahn ist ca. 1,15m breit und 2m lang, für einen Kinder-Lunghi ungefähr ein Drittel kleiner. Sie besteht meist aus Baumwolle, für besondere Anlässe - wie zum Beispiel Hochzeitszeremonien - wird aber auch Seide verwendet. In seltenen Fällen gibt es den Lunghi auch ungenäht als bloßes Rechteck. Typisch sind unifarbene oder karierte Stoffe, da diese einfach und kostengünstig auf Power Looms gewebt werden können. Die Webkante ist oft schwarz-weiß und weist eine höhere Kettdichte auf, um den Stoff vor dem Ausfransen zu schützen.

Es gibt unzählige Arten, den Lunghi in der Taille zu befestigen. Ein einfacher, doppelt gedrehter Knoten ist am Weitesten verbreitet: Zwei Zipfel an der Oberkante des Lunghis werden zusammengezogen, zweifach umeinander gedreht und die Enden festgesteckt. Haltbarer ist es, einen doppelten Josephinenknoten (pretzel knot?) zu machen. Man kann aber auch die Zipfel einfach in der Taille nach unten hin einrollen.

Regionale Unterschiede

In Bangladesh ist sein Gebrauch zwar rückläufig, dennoch ist der Lunghi die häufigste Alltagskleidung der Männer, insbesondere in ländlichen Regionen. Bei den Frauen ist er traditionell nicht üblich, jedoch gibt es einige nicht-bengalische Stämme in Südostbangladesh, bei denen Frauen lunghi-änhliche Kleidung tragen. Kostbare Lunghis können auch Teil der Mitgift sein. 

In Westbengalen setzt sich der universelle und bequeme Lunghi als Kleidung der Männer im Alltag immer weiter durch und verdrängt so den Dhoti.

Besonders vielfältig ist der Gebrauch des Lunghi in Südindien. Während in Kerala die farbenfrohen verschiedensten Musterungen sowohl von Frauen als auch von Männern getragen werden und sogar als Arbeitskleidung für Physik-Laboranten dienen, ist der Lunghi in Tamil Nadu ein reines Männer-Kleidungsstück. Im Süden Tamil Nadus wird er auch als kaili, kalli mundu oder saaram bzw. chaaram bezeichnet. Daneben gibt es in Kerala noch den mundu, eine reinweiße Form des Lunghi, der für zeremonielle Anlässe genutzt wird und häufig Goldstickerei an den Längskanten, kasavu, aufweist. Safrangefärbte Mundus heißen kaavi mundu. In Karnataka und Andhra Pradesh dagegen ist munda der farbige Lunghi. Der weiße, doppelt gefaltete lunghi-ähnliche Stoff für zeremonielle Zwecke wird hier panche genannt.
Die Männer in Kerala binden ihre Lunghis oder Mundus meistens nach hinten hoch.

In Myanmar dient der longyi in verschiedensten Farben und Materialien sowohl als formelle als auch als informelle Kleidung. Für die Männer nennt man ihn dort paso, für die Frauen htamain. (siehe Longyi)

Lunghi-ähnliche Kleidungsstücke finden sich auch im Yemen und in Somalia.

(nina)