Tagelmust

Kurzinfo

Namen

Chech, Cheche, Chèch, chèche, eshesh, Schech, Schesch, Shech, Tagelmoust, Tagelmust, Taggelmoust, Tagoulmoust, Tagoulmust, taguelmoust, Tougulmust

Regionen

Algerien Burkina Faso Libyen Mali Mauretanien Niger Nigeria

Sonstiges

Männerkleidung

Wickelform

algerischer Targi mit Tagelmust beim Tee-Servieren

Tagelmust, der (von tamasheq), auch éghéwed (von mali-tamascheq) oder chech (von berberisch)

Die Kopfbedeckung der männlichen Tuareg kann zwischen 1,5 - 15m lang und 25 - 50 cm breit sein und besteht aus vielen per Hand zusammengenähten Stoffstücken, die eine lange Stoffbahn bilden, die sogenannte aleshu oder alasho. Sie wird turbanartig um den Kopf gewickelt. Je länger, desto festlicher ist ein Tagelmust. Aber auch das soziale Ansehen lässt sich an der Länge ablesen - je respektabler eine Persönlichkeit, desto länger die Stoffbahn.

Der Tagelmust dient als Schutz des Kopfes vor Sonne, Wind und Sand. Der Gesichtsschleier, litham, beugt der Austrocknung des Mundes vor. Daher werden die Tuareg auch mulethemin, die Verschleierten, oder "Kel Tagelmust", das Volk der Schleier, genannt. Die Verschleierung sollte aber auch vor der Besitzergreifung durch die "Kel Eru", die Geister der Toten, schützen. Der Tagelmust gilt zwar als Markenzeichen der Tuareg, kam jedoch erstmals vor knapp 150 Jahren aus Kano in ihr Gebiet. 

Im Alter von 15 bis 20 Jahren bekommt der Tuareg-Krieger als Zeichen des Eintritts in die Erwachsenenwelt seinen eigenen Tagelmust. Er wird nur im engsten Familienkreis abgelegt, zum Essen lediglich von unten angehoben. Man wäscht ihn nicht und trägt ihn so lange, bis er auseinanderfällt.

Je nach sozialem Rang ist die Farbe des Stoffs unterschiedlich. Adlige tragen traditionell Blau oder abfärbendes Schwarz (eshesh), Korangelehrte bevorzugen feines weißes Musselin, das seit ca. 100 Jahren Verwendung findet. Junge Tuareg der neuen Ishumar-Generation tragen auch grelle Farben wie Gelb, Rot, Türkis, Rosa, Orange und Grün. Dazu wird dann eine Sonnenbrille, Jeans und Lederjacke oder auch spezielle Frisuren kombiniert, was einem revolutionären politischen Statement gleichkommt.

Der blaue Tagelmust wird im Süden hergestellt und von den Tuareg dort gekauft. Er kann statt aus Baumwolle auch aus Leinen gemacht und in speziellen Bindungen gewebt sein. Durch mehrfaches Färben und die anschließende Behandlung mit einem Baumharz erhält er seine tiefblaue Farbe. Zum Schluss wird er mit einem Schlegel so lange geschlagen, bis sich auf der Oberfläche eine lackartige, glänzende Konsistenz gebildet hat. Typisch für indigogefärbten Stoff ist das Abfärben des blauen Pigments auf die Haut. Es führte den Tuareg die Bezeichnungen "blaue Männer" oder "blaue Ritter" ein. Neuerdings werden auch industriell produzierte Stoffe mit Glanz und abfärbender Wirkung benutzt. Für festliche Zwecke bevorzugt man aber den indigogefärbten Tagelmust, der laut Wiki de Nezumi (siehe Quellen) auch wärmender sein soll als die baumwollenen andersfarbigen Turbane.

Die Wickeltechnik, eventuelle Verwendung eines Turbanbands und die Form der manchmal an diesem befestigten Amulettbehälter ist regional unterschiedlich. Zum Tagelmust tragen die Männer gandura (arabisch),  bubu (haussa) oder tekamist (tamascheq) sowie akerbey oder ikerbey.

(nina)

Quellen